Mit 120 Spaziergänger:innen unterwegs im Stuttgarter Norden

Strahlender Sonnenschein und frühlingshafte Temperaturen waren am letzten Samstag der perfekte Rahmen für unseren 4. Orgelspaziergang »für Katharina.« Mit 120 Spaziergänger:innen ging es durch den Stuttgarter Norden vom Killesberg über den Pragfriedhof.

An der ersten Station stellte Andreas Keller, Vorsitzender des Fördervereins Brenzkirche Stuttgart e.V., die wechselvolle Geschichte der Kirche vor: 1933 im Stil der Neuen Sachlichkeit eröffnet, hatte sie unter anderem mit einer abgerundeten Ecke, asymmetrischen Fenstern und einem offenen  Glockenturm viele besondere Merkmale. Nicht lange darauf wurden diese Besonderheiten jedoch auf Drängen der NS-Führung überbaut und die Kirche "genormt", was sie bis heute geblieben ist. Im Zuge der IBA 27 soll sie jedoch wieder ihrem Ursprungszustand angenähert und für die Zukunft im neuen Stadtviertel auf dem Killesberg gerüstet werden. Die Walcker-Reichel-Orgel von 1947/umgebaut 2005, spielte der junge Stiftsmusik-Orgel-Stipendiat Georg Schäfer. Er lies mit Widor, Purcell und Bach die verschiedenen Register des kleinen Instruments klangvoll zur Geltung kommen.

Bergab ging es dann zur zweiten Station, der katholischen Kirche St. Georg. Die dortige Orgel des Orgelbauers Albiez von 1981 war mit Abstand die größte, die beim diesem  Spaziergang erklang. Organist Peter Gehrmann spielte Bach und Vierne und zeigte damit den Klangreichtum der Orgel mit drei Manualen und Pedal. Mesner Christian Storch brachte den Besucher:innen Architektur und Geschichte der 1929 erbauten Kirche nah, die 1944 durch Bomben stark zerstört wurde. Prägend für den Kirchenraum ist ein großes Mosaik des Künstlers Josef Eberz an der Rückwand des Chors.

Über den Pragfriedhof, vorbei am markanten Jugendstil-Krematorium, ging es dann weiter zur Martinskirche. Die Kirche wurde 1937 erbaut, in den vergangenen Jahren einer grundlegenden Umgestaltung unterzogen und 2023 wiedereröffnet, wie Marie Kaufmann erläuterte. Mit einer flexiblen Bestuhlung, verschiedenen Gruppenräumen, einer modernen Licht- und Soundtechnik und Bistro samt Gastroküche im Kellergeschoss ist die Kirche für Nutzungen durch die beiden Akteure Nordgemeinde und KesselKirche gerüstet. Die Gemeinde setzte sich bei der Umgestaltung auch für eine Orgel ein und finanzierte ein neues Instrument der Firma Mühleisen, das die Pfeifen der alten Orgel weiternutzt. Durch sogenannte Wechselschleifen können die Register von beiden Manualen gespielt werden und erlauben auch hier eine große Flexibilität beim Registrieren. Organistin Wonjin Min führte das neue/alte Instrument mit Reger, Froberger und Buxtehude vor.

Kay Johannsen berichtete im Anschluss noch vom aktuellen Stand rund um die Katharina-Orgel, bevor es zum gemeinsamen Ausklang noch Getränke und Hefezopf gab.

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